Das Highfield Festival findet nach fast 30 erfolgreichen Jahren zum vorerst letzten Mal statt. Allein ist das Festival damit nicht, denn nach der Pandemie mussten zahlreiche neue wie etablierte Namen in Deutschland, Europa und der Welt die Segel streichen. Woran liegt das? Mit diesem Blog möchten wir am Beispiel des Highfield erklären, warum die gesamte Live-Branche unter Druck steht – und warum wir dennoch glauben, dass Musikfestivals eine Zukunft haben.
Bevor wir richtig starten, möchten wir etwas festhalten, das beim Blick auf die ökonomische Situation schnell in Vergessenheit gerät: Wir sind Musikfans und messen unseren Erfolg viel lieber in besonderen Konzertmomenten, glücklichen Menschen und tollen Erinnerungen. Mit dem Highfield am Störmthaler See haben wir all das bis zuletzt erreicht und die Entscheidung, das Festival nicht fortzuführen, sicherlich länger hinausgezögert, als es wirtschaftlich sinnvoll gewesen wäre. Als großer und unterm Strich sehr erfolgreicher Kulturveranstalter mit vielen Events in Deutschland und Europa war das ein Luxus, den sich kleinere Veranstalter nicht erlauben können, aber dazu am Schluss des Textes noch etwas mehr.
Blicken wir also auf die Kosten: Festivals zu produzieren ist teuer, das war schon immer so. Verhältnismäßig neu sind die immensen Kostensteigerungen der vergangenen Jahre: Posten wie Personal, Material, Energie und auch Künstlergagen sind seit der Pandemie stetig teurer geworden. Gemittelt über alle Produktionsbereiche verzeichnen wir eine Teuerung von knapp 50 Prozent. Die Gründe für die gestiegenen Kosten sind zahlreich: Im produktionellen Bereich sind Kriege, Inflation und die damit verbundene verhaltenere Nachfrage Einflussfaktoren – denn nicht nur für uns, sondern auch für unsere Gäste wird das Leben teurer. Das gilt natürlich auch für tourende Artists, für die Liveauftritte eine wichtigere Einnahmequelle als die Erlöse aus Tonträgerverkäufen geworden sind.
Ebenfalls wichtig zu erwähnen ist, dass Festivals richtigerweise keine Graubereiche sind, wenn es um behördliche Auflagen und gesteigerte Anforderungen an die Sicherheit ihrer Gäste geht. So entsteht aus dem Nichts innerhalb einer Woche eine Kleinstadt, die viele Bereiche der Infrastruktur und Organisation einer entsprechenden Stadt bereitstellt. Auch die Ansprüche der Gäste wachsen: Besondere Erlebnisse, mehr Komfort, liebevolle Dekoration oder ein umfangreiches Food-Line-up sind der heutige Standard. Wir finden selbst auch, dass zeitgemäße Festivals mehr als Bier und Bühne sein sollten, und arbeiten schon lange aktiv an der Weiterentwicklung des Vor-Ort-Erlebnisses all unserer Marken – aber durch die gestiegenen Anforderungen an die Produktion steigt das kalkulatorische Risiko natürlich ebenfalls.
Für Veranstalter bedeuten steigende Kosten ein höheres Risiko: Der Break-Even, also der Punkt, an dem das Festival anfängt, schwarze Zahlen zu schreiben, verschiebt sich immer weiter nach oben und liegt je nach Veranstaltung mittlerweile bei rund 85 Prozent Auslastung oder sogar mehr. Die Ausrichtung eines Festivals wird so zu einem Hochrisikogeschäft, das sich kaum ein Veranstalter leisten kann, dessen Geschäft nicht gut genug diversifiziert ist, um eventuelle Verluste aufzufangen. Dazu kommt, dass viele Umsätze aus Gastronomie oder Merchandise direkt an die Zahl der Gäste gekoppelt sind, was der Kalkulation zusätzliche Unsicherheit verleiht.





