Sustainability

Haltung zeigen in unsicheren Zeiten: Wie wir Nachhaltigkeit strategisch weiterdenken

Selina Becker
Selina Becker
17.02.2026
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In einer Zeit, in der sich wenige Wochen weltpolitischen Geschehens anfühlen wie mehrere Monate, geraten viele Themen schnell aus dem Fokus. Dabei belasten die zunehmende gesellschaftliche Spaltung und ökonomische Unsicherheit das Leben und die kulturelle Vielfalt weltweit – auch mit Folgen für Musiker*innen, Promoter*innen und Musikfans. Gleichzeitig werden Diversitäts- und Inklusionsprogramme eingestellt, Förder- und Spendengelder gestrichen und Nachhaltigkeitsstrategien zurückgefahren. In dieser Gemengelage ist es uns wichtig, unsere eigenen Bemühungen zu festigen und den Dialog aufrecht zu halten. Hier erklären wir, wie wir uns strategisch weiterentwickeln und mit gruppenweiten Maßnahmen aktiv zum Wandel beitragen wollen. Denn wenn nicht jetzt – wann dann?

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ wird mittlerweile in unterschiedlichsten Kontexten verwendet, wodurch er schnell seine Bedeutung verliert. Daher vorab: Unser Verständnis von Nachhaltigkeit beruht auf dem Bericht „Our Common Future“, besser bekannt als Brundtland-Bericht. Dieser definiert nachhaltige Entwicklung als solche, die sicherstellt, dass gegenwärtige Generationen ihre Bedürfnisse befriedigen können, ohne zukünftige Generationen daran zu hindern dies gleichermaßen zu können. Wer noch tiefer ins Thema einsteigen möchte (oder einfach gern Berichte liest), kann das hier tun.

Es wird klar: Nachhaltigkeit ist immer auch eine Frage von Gerechtigkeit, weswegen wir uns gleichermaßen auf ökologische und soziale Aspekte konzentrieren. Auf Basis dessen haben wir gruppenweit eine Nachhaltigkeitsstrategie implementiert, die sechs verschiedene Handlungsfelder identifiziert, welche wir für unsere Aktivitäten als am relevantesten einordnen – mehr Details dazu auf unserer Corporate Seite.

Uns ist wichtig, dass weder die ökologische noch die soziale Perspektive zu kurz kommt – vor allem, da steigende Lebenshaltungskosten aktuell für viele Menschen eine zusätzliche Belastung darstellen. Wir versuchen daher, die Kosten für unsere Events so zu kalkulieren, dass möglichst niemand ausgeschlossen wird. Gerade das ist aber gar nicht so einfach, angesichts einer Kostensteigerung von rund 45 % im Vergleich zu vor der Pandemie. Da wir es als unsere Verantwortung ansehen, die Teilhabe an unseren Events zu fördern, haben wir 2025 zwei gezielte Konzepte getestet: 

  • Mit unseren Unity Tickets (Sozialtickets zu stark vergünstigten Preisen) fördern wir die Teilhabe auf unseren Festivals in Deutschland. Eingeführt zunächst beim Highfield wird das Projekt in diesem Jahr auch auf das Hurricane und das Southside ausgeweitet. 
  • Friendly Fire in den Niederlanden hat parallel ein Pilotprojekt mit Fokus auf Konzerte umgesetzt, bei dem ein Konzept für verschiedene Preiskategorien getestet wurde: Neben dem regulären Ticketpreis gab es eine „more to spend“ und „less to spend“ Option. Das Ziel: Wege finden, um Konzerte erschwinglich zu halten und gleichzeitig faire Gagen für Künstler*innen zu ermöglichen

Teilhabe zu fördern bedeutet auch, physische Barrieren zu reduzieren und dafür zu sorgen, dass sich alle sicher fühlen: Neben Special Needs Camps oder Welcome Teams haben wir vor diesem Hintergrund 2017 unser Awareness-Konzept „Wo geht’s nach Panama?“ bei unseren Open-Air-Festivals deutschlandweit eingeführt. Mit dem Codewort PANAMA kann jede Person, die sich aus irgendwelchen Gründen nicht wohl fühlt, bedroht oder belästigt wird, unkompliziert sofortige Hilfe bekommen. Ähnliche Konzepte finden sich auch bei unseren internationalen Festivals. 

Viele Projekte, die einen ökologischen Fokus haben, laufen bei uns eher hinter den Bühnen ab und sind Teil der Produktion. Dabei gibt es auch solche, die über die eigentliche Maßnahme hinauswirken:

  • Unser deutschlandweites Abfallkonzept stellt seit 2015 sicher, dass alle Abfälle auf Festivals bestmöglich getrennt entsorgt werden. Auf diese Weise können wir möglichst viele Wertstoffe in den Kreislauf zurückführen. Ergänzt wird es seit 2022 durch das Projekt Trasholution, bei dem jeder abgegebene Müllsack eine Spende für lokale Initiativen generiert. In 2025 konnten so rund 37.000 Euro gespendet werden
  • Bei Fullsteam Agency in Finnland wurde ein „Green Rider“ für in Finnland tourende Künstler*innen eingeführt, um einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen bei der Planung einer Tournee zu berücksichtigen. Darüber hinaus trägt der Austausch zu einem Dialog bei, der langfristig zu Veränderungen in der Branche beitragen kann.

Diese Beispiele bilden nur einen kleinen Teil all unserer Maßnahmen ab. Der Bereich ist komplex und erfordert eine Auseinandersetzung mit der Frage, welche Auswirkungen die eigenen Aktivitäten auf Umwelt und Gesellschaft haben– weshalb wir 2024 eine dafür verantwortliche Abteilung gegründet haben, um Synergien gruppenweit zu nutzen. So können wir dem Thema genau die Aufmerksamkeit und Energie schenken, die es verdient – um Haltung zu zeigen und unsere Bemühungen gleichzeitig noch fester als zentralen Bestandteil unserer Arbeit zu verankern.